Chronik

Die Schützen in Ricklingen im Wandel der Zeiten

Die Geschichte der Schützengesellschaft Ricklingen von 1853 e.V. beginnt im Jahr 1853, als Ricklinger Bürger ein Schützenfest feierten und eine Fahne mit der Aufschrift „Schützen in Ricklingen 1853“ zum Festplatz auf dem Distelkamp trugen. Schon damals zeigte sich, wie eng das Schützenwesen mit dem Gemeinschaftsleben im Ort verbunden war.

1868 schafften sich die Ricklinger Schützen ihre zweite Fahne an, verziert mit dem Sachsenross und der Aufschrift „Es lebe die Ricklinger Schützengesellschaft“. Eine weitere Fahne ist auf einer Fotografie aus 1886 zu sehen, getragen bei einem Schützenfest auf dem sogenannten Linnepump. 1896 wurde der bis dahin übliche Zylinder durch den grünen Schützenhut ersetzt, ein sichtbares Zeichen des Wandels.

Mit der Wahl von Karl Schünemann zum ersten Vorsitzenden im Jahr 1908 begann eine neue Ära. Ein Jahr später, 1909, wurde die Schützengesellschaft offiziell in das Vereinsregister der Stadt Hannover eingetragen. Schünemann führte den Verein bis zu seinem Tod 1934 und prägte ihn über ein Vierteljahrhundert.

1924 wurde die Jugendabteilung gegründet, ebenso das Pfeifer- und Trommlerkorps, initiiert und gefördert von Willy Goldmann sen. Bereits 1929 errangen eine Jugend- und eine Schützenklassemannschaft die Landesmeisterschaft und holten erstmals das „Grüne Band der Stadt Hannover“.

Der Zweite Weltkrieg brachte einen schweren Einschnitt. Bei einem Luftangriff im Jahr 1945 wurde das Vereinslokal in der Pfarrstraße zerstört. Fast der gesamte Vereinsbesitz, Fahnen, Pokale, Unterlagen, Sportgeräte, ging verloren. Nach Kriegsende wurden Schützenvereine zunächst verboten, und das verbliebene Eigentum beschlagnahmt.

Doch die Ricklinger Schützen gaben nicht auf. Am 14. Januar 1952 erfolgte die Neugründung der Schützengesellschaft Ricklingen. Otto Dreyer wurde erster Vorsitzender, und die Gaststätte Anna Borchers, heute die Alte Ricklinger Bierquelle, wurde neues Vereinslokal. 1954 folgte Albert Bangemann als Vorsitzender.

Ab Mitte der 1960er‑Jahre gewann das Vereinsleben der Ricklinger Schützen spürbar an Dynamik. 1964 prägte der Musikverein MGMV Burgstemmen erstmals den Ausmarsch durch Hannover, während Hans Gieseke die Führung der Gesellschaft übernahm. In den folgenden Jahren stellten die Ricklinger ihre sportliche Stärke unter Beweis: 1967 gelang ihnen der Gewinn des „Großen Goldenen Schützenhaus‑Pokals“, und 1971 wurde mit Günter Pape erstmals ein Ricklinger Schütze mit dem Stern ausgezeichnet.

Kurz darauf leitete Hans Rodewald ab 1972 die Geschicke des Vereins. Die Jugendarbeit setzte ein starkes Zeichen, als die Jungschützen 1974 ihr 50‑jähriges Bestehen feierten. Nur ein Jahr später errang Karl‑Heinz Kösel den Titel des Stadtkönigs von Hannover, bevor 1977 mit Holger Wenck der erste Bruchmeister aus Ricklingen gestellt wurde.

In den 1980er‑Jahren gewann die SG Ricklingen weiter an Profil. Unter Dieter Bangemann erhielt der Verein neue Impulse, und mit der 0-Ausgabe des Ricklinger Schützen entstand 1981 eine Vereinszeitung, die bis heute das Vereinsleben begleitet. Die Gemeinschaft rückte enger zusammen, was sich auch in der ersten Auslandsreise nach Paris im Jahr 1982 zeigte. Mitte des Jahrzehnts kamen neue Traditionen hinzu, 1986 das Edelhof‑Pokalschießen, und 1988 folgte ein besonders feierlicher Moment mit der Weihe der fünften Fahne sowie der Verleihung der Sportplakette des Bundespräsidenten.

Die 1990er‑Jahre brachten Veränderungen: Die Damenabteilung wurde gegründet, 1996 jedoch wieder aufgelöst. Das traditionelle Ricklinger Schützenfest musste jedoch 1993 eingestellt werden, neue Umweltauflagen machten eine Fortführung unmöglich. Das zweijährliche Straßenfest am Hahnensteg wurde zum beliebten Ersatz. Ab 1994 führte Klaus Mattuscheck den Verein durch eine Phase des Umbruchs.

Mit dem Jubiläumsjahr 2003 rückte die lange Tradition der SG Ricklingen wieder in den Mittelpunkt. Ein Jahr später übernahm Dietrich Raabe den Vorsitz, und 2005 wurde die Damenabteilung erfolgreich neu belebt.

Ab 2013 entwickelte sich im Jugendbereich eine bemerkenswerte Erfolgsserie. Den Anfang machte Lisa‑Marie Müller, die gleich zwei Jahre in Folge zur Stadtjugendkönigin gekürt wurde. Auf sie folgten 2015 Philip Latzel und 2016 Dominik Bulitta. Im selben Jahr wurde die Bogenabteilung neugegründet. 2017 setzte Vanessa Smorra die Reihe fort und holte den Titel ebenfalls. Und 2018 gelang es gleich zwei Ricklingern, sich in Hannover durchzusetzen: Olaf Dahms wurde Stadtkönig, während Aaron Oelker Stadtjugendkönig wurde.

Nach den erfolgreichen Jugendjahren setzte sich die Entwicklung der SG Ricklingen auch in den folgenden Jahren fort. 2022 markierte dabei einen besonderen Moment, als Vanessa Smorra als erste Frau das Bruchmeisteramt der Landeshauptstadt Hannover übernahm, ein Ereignis, das weit über Ricklingen hinaus Beachtung fand.

Im darauffolgenden Jahr rückten zwei Ricklinger Schützinnen in den Verband Hannoverscher Schützenvereine auf: Kathrin Göllinger als Damenleiterin und Heike Dahms als ihre Stellvertreterin. Damit war die Ricklinger Handschrift auch auf Verbandsebene deutlich sichtbar.

2024 setzte sich diese Entwicklung fort. Sebastian Buntrock übernahm das Amt des Vizepräsidenten im VHS, während Olaf Dahms gleichzeitig den Vorsitz der SG Ricklingen antrat und damit die Vereinsführung in eine neue Phase führte.

Ein Jahr später feierte die Damenabteilung ihr 25‑jähriges Jubiläum, und erneut gelang ein großer Erfolg: Sebastian Buntrock errang den Titel des Stadtkönigs von Hannover und knüpfte damit an die lange Tradition Ricklinger Königswürden an.

2026 bestätigte sich die starke Präsenz der Ricklinger Schützen auch auf Verbandsebene. Olaf Dahms wurde erneut zum Jugendleiter des VHS gewählt und setzte damit seine langjährige Arbeit im Nachwuchsbereich fort. Gleichzeitig blieb Timo Meier als stellvertretender Festleiter im Amt, und Sebastian Buntrock wurde ein weiteres Mal als Vizepräsident des Verbandes bestätigt, ein klares Zeichen für das Vertrauen, das die Ricklinger im VHS genießen.

So spannt sich der Bogen der Ricklinger Schützengeschichte über mehr als 170 Jahre, geprägt von Tradition, Wandel, sportlichen Erfolgen und dem unermüdlichen Engagement vieler Generationen. Und die Geschichte wird weitergeschrieben.